125-jährige Tradition im Fahrzeugbau

Artikel vom 19. Oktober 2020
Busse mit Verbrennungsmotor

Auf eine mehr als 125-jährige Tradition im Fahrzeugbau kann der Bushersteller Hess zurückblicken. Bei der Produktion von Omnibussen, Personenanhängern und Trolleybussen ist das Unternehmen Hess der einzig verbliebene schweizerische Hersteller. Darüber hinaus fertigt Hess Aufbauten und Zubehör für leichte Nutzfahrzeuge. Sämtliche Aufbauten für Omnibusse einschließlich der Trolleybusse und der Personenanhänger werden nach dem patentierten CO-BOLT-Verfahren hergestellt. Dabei kommen ausschließlich Aluminiumprofile zum Einsatz, die mit Schrauben verbunden werden. Ein Spezialkleber, der auf die Schraubverbindungen aufgebracht wird, verhindert zuverlässig das unabsichtliche Lösen. Die Verwendung von Aluminium gewährleistet eine hohe Korrosionsfestigkeit und damit eine lange Lebensdauer der Produkte. Eine besondere Spezialität des Hauses Hess ist der Bau von Personenanhängern für Diesel oder Trolleybusse. Während in nahezu allen europäischen Ländern die Produktion von Personenanhängern aufgrund gesetzlicher Verbote zum Betrieb beziehungsweise wegen mangelnder Nachfrage aufgegeben wurde, hat Hess diese Fahrzeug-Spezies ständig technisch weiterentwickelt. Bereits 1990 entstand eine erste Serie von Niederfluranhängern für Lausanne; seitdem wurden zahlreiche Anhänger an Betriebe in der Schweiz und nach Österreich geliefert. Der Autobusbetrieb der estnischen Hauptstadt Tallin (TAK) erhielt in den Jahren 1999 beziehungsweise 2001 insgesamt 25 Omnibuszüge mit Motorwagenchassis von Scania. Hierbei lieferte Hess sogenannte Kitts, das heißt vorproduzierte Bausätze mit allen notwendigen Teilen. Montiert wurden die kompletten Omnibuszüge bei der Firma Baltscan, einem Tochterunternehmen von Scania. Für Deutschland konnte Hess bislang nur vier große Omnibuszüge (Buszug 31) liefern. Die neueste Lieferung umfasst einen Personenanhänger hinter einem Solaris Urbino 12 LE-Zugfahrzeug, die im Januar 2010 an ein Unternehmen in Kaufbeuren ging. Damit ist erstmals in Deutschland ein Spöaris/Hess-Gespann im Einsatz. Technisch ist dieser Zug mit jenen der Firma Ledermair aus Österreich identisch, wo vier solcher Buszüge zum Einsatz kommen. Hess will sich künftig siehe verstärkt um Aufträge für Omnibusanhänger (Kooperation mit MAN bzw. Solaris) beziehungsweise komplette Gespanne in Deutschland bemühen. Hierzu – und natürlich für den Schweizer Markt – wurde ein komplett neuer Hess Niederflurbus entwickelt. Chassis und Aufbau stammen dabei – erstmals bei einem Dieselbus – komplett von Hess (SwissDiesel). Die Motoren steuert Cummins bei, die Getriebe liefert ZF zu. Als Basismotor wird die Variante mit 250 kW (340 PS) angeboten. Für den topografisch anspruchsvollen Einsatz gibt es auf besonderen Wunsch leistungsstärkere Versionen der Cummins-Motoren. Erster Kunde für die neuen Buszüge mit eigenem Hess Zugfahrzeug sind die Zugerland Verkehrsbetriebe in Zug, Schweiz. Sie orderten insgesamt elf komplette Busgespanne, deren Auslieferung im Sommer 2011 begann und im März 2012 abgeschlossen wurde. Die gewählten technischen Bezeichnungen geben die Gesamtmaße der Züge wider. Also zum Beispiel beim Buszug 31 ein zulässiges Gesamtgewicht von 31 t. Seit Januar 2013 hat der Postautohalter Klopfstein Bus, der als Subunternehmer der Postauto Schweiz AG Linien in den schweizerischen Kantonen Bern und Freiburg (Fribourg) bedient, auch einen Buszug 31 der neuen Generation in Betrieb. Wie auch bei den Swissdiesel Zugfahrzeugen der Zugerland Verkehrsbetrieb wurde hier der leistungsstärkere Cummins-Motor mit 294 kW (400 PS) gewählt. Im Gegensatz zu den Gespannen der Zugerland Verkehrsbetriebe ist hier jedoch das Zugfahrzeug als Dreitürer ausgeführt. Zusammen mit dem zweitürigen Hess Personenanhänger ist hier erstmals ein fünftüriges Gespann der neuen Generation Buszüge unterwegs. Drei weitere Busgespanne von Hess hat Potauto Schweiz im Jahr 2015 in Dienst gestellt. Bei den Zugfahrzeugen handelt es sich jedoch um SwissDiesel Typen der neuesten Generation (neu gestalteter Fahrzeugbug). Für den internationalen Linienverkehr zwischen dem deutschen Trier und Luxemburg (Stadt Luxemburg) lieferte Hess im Jahr 2006 sogar einen hochwertig ausgestatteten Niederfluranhänger mit Vollklimatisierung. Der Betreiber Voyages Emile Weber hat 2008 einen weiteren derartig ausgestatteten Anhänger erhalten. – Eine Besonderheit nehmen die Anhänger-Lieferungen nach Österreich ein: als Zugwagen kommen dort Busse der Typen TEMSA Safari 10 und 12, Hess/Scania LE, MAN Lion´s City (alle ÖBB Postbus) sowie Solaris Urbino 12 LE für den Privatunternehmer Leo Ledermair zum Einsatz. Die Zahl der nach Österreich gelieferten Anhänger betrug bis Ende 2008 insgesamt 14 Exemplare, davon vier als komplette Züge mit Hess/Scania-Zugwagen. Die Anhängerchassis werden von Hess selbst gefertigt. Hess hat die Produktion der SwissDiesel Zugfahrzeuge wegen der geringen Nachfrage auch in der Schweiz selbst eingestellt. Personenanhänger werden nur noch in der Kombination mit MAN oder Solaris Zugfahrzeugen geliefert bzw. auch einzeln als Nachbestellungen zu vorhandenen Zugfahrzeugen. Von Hess selbst gefertigte Zugfahrzeuge können derzeit nur als Trolleybus geliefert werden.

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