Elektronischer Autostopp

Artikel vom 1. November 2020
Verkehrsplanung

Hier ist der elektronische Autostopp von Taxito an einer bestehenden Postautohaltestelle installiert. Gut sichtbar das gewünschte Fahrziel Zell.

Im dünnbesiedelten Raum kommt der Betrieb einer Buslinie oft an seine wirtschaftlichen Grenzen. Auch ökologisch ist es nicht sinnvoll, wenn Fahrzeuge fast leer herumfahren. Ein Bus auf Abruf kann da eine Lösung sein. Aber auch der setzt eine minimale Nachfrage voraus. Fehlt diese, hilft für Leute, die – umweltbewusst oder mangels Auto – unterwegs sein wollen, nur noch der altbewährte Autostopp. Bloß, das Hinstehen mit aufgestrecktem Daumen ist nicht jedermanns Sache. Dessen zeitgenössische Form hat Taxito mit einem einfachen System des Autostopp entwickelt. Es wurde nach einer zweijährigen Pilotphase auf den Fahrplanwechsel vom Dezember 2017 definitiv eingeführt. Seither ist es mit wachsendem Erfolg im luzernischen Teil des Napfgebietes in Betrieb. Der Napf ist eine vulkanartige Erhebung mit etlichen radialen, in die Höhe strebenden Tälern im Grenzgebiet der Kantone Bern und Luzern. Taxito hat in Kooperation mit dem Verkehrsverbund Luzern (VVL) und den betroffenen Gemeinden elektronisch gesteuerte Haltestellen-Tafeln an vier definierten Taxito Points eingerichtet. Dort kann jede und jeder mit einem Handy ohne Voranmeldung den Fahrwunsch per SMS übermitteln. An der Tafel wird sofort die gewünschte Destination für vorbeifahrende Automobilisten angezeigt, was den potenziellen Passagier zwei Franken Vermittlungsgebühr kostet. Diese wird über seine Handyrechnung von Taxito eingezogen. Die vorbeifahrenden Automobilisten können nun, ebenfalls ohne jede Voranmeldung, den »Autostopper« gegen eine kleine Entschädigung von einem Franken zum gewünschten Ziel bringen. Konkret geht das so: Will jemand von Willisau nach Luthern Bad mitgenommen werden, so schickt er beim Taxito Point Willisau den Zielcode »Lu2e« per SMS an die Taxito-Kurznummer. Die durchschnittliche Wartezeit an den vier Haltepunkten beträgt unabhängig von Tages- und Jahreszeit knapp drei Minuten. Damit bildet Taxito eine solide Ergänzung zum öffentlichen Verkehr, welche auf neue Technologien setzt und für die Nutzer einfach handhabbar ist. Entsprechend wurde das Pilotprojekt des VVL und seiner Partner von der Bevölkerung gut aufgenommen. Während der zweijährigen Versuchsphase stieg die Zahl an Fahrten mit Taxito kontinuierlich von 33 auf über 80 Fahrten pro Monat, was den Zielvorgaben entsprach. Heute sind es bereits um die 120. Die Teilnahme- und Abrechnungsregeln sind einfach: Jede Autofahrerin, jeder Fahrer kann, muss aber nicht die wartende Person mitnehmen. Diese wiederum darf das Mitnahmeangebot ablehnen. Die zwei Franken werden beim Versenden des SMS belastet. Ist der Fahrer bei Taxito registriert, erhält er einen Franken gutgeschrieben. Auf Grund der guten Erfahrungen wird der Kanton Luzern in den nächsten Jahren das Mitfahrsystem Taxito in weiteren Gebieten anbieten. Dies wird nicht zuletzt dadurch erleichtert, als daß das ganze System einschließlich Solarpanel mit einfachen Mitteln an bestehenden Masten installiert werden kann. Taxito kann als Vorläufer autonomer Systeme oder Fahrzeuge gesehen werden, da mittels einer Plattform Fahrtenwünsche mit Fahrleistungen zusammengeführt werden.

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