Vernetzte Mobilität in Karlsruhe

Artikel vom 29. September 2021
Engineering ÖPNV und SPNV

Damit mehr Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, werden smarte Konzepte benötigt. Diese müssen sich am individuellen Kundenbedarf orientieren, das Problem der ersten/letzten Meile lösen und nicht zuletzt den Ticketerwerb unkompliziert gestalten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in regional offenen Mobilitätsplattformen. Wie das gehen kann, zeigt das Projekt »regiomove« aus der Region Karlsruhe. Hierfür wurde eine Buchungs- und Bezahlplattform entwickelt, die mit ihrer ausgeklügelten Konzeption als wegweisend gelten darf.

regiomove vernetzt die Mobilitätsdienstleistungen in der gesamten Region Mittlerer Oberrhein (Bild: init GmbH).

regiomove vernetzt die Mobilitätsdienstleistungen in der gesamten Region Mittlerer Oberrhein (Bild: init GmbH).

Möglichst viele Mobilitätsangebote auf einer Plattform miteinander vernetzen, dazu die verschiedenen Verkehrsmittel auch außerhalb des Stadtgebietes an Knotenpunkten bündeln: das war grob gesagt das Ziel, als ein aus verschiedensten Unternehmen und Institutionen bestehendes Konsortium im Dezember 2017 unter der Leitung des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) den Startschuss für »regiomove« gab. Dreieinhalb Jahre später darf man von einer Erfolgsgeschichte sprechen.

In der App werden alle in Umkreis befindlichen Mobilitäts- und Sharingangebote, E-Ladestationen sowie ÖPNV-Haltestellen angezeigt. Diese sind direkt reservier- oder buchbar. (Bild: KVV / Paul Gärtner).

In der App werden alle in Umkreis befindlichen Mobilitäts- und Sharingangebote, E-Ladestationen sowie ÖPNV-Haltestellen angezeigt. Diese sind direkt reservier- oder buchbar (Bild: KVV / Paul Gärtner).

Fahrgäste können seit Herbst 2020 die Nutzung aller Mobilitätsdienstleistungen in der ganzen Region Mittlerer Oberrhein in der »regiomove«-App planen und buchen. Nach einmaliger Registrierung in der App werden alle Fahrten unkompliziert und automatisiert über die hinterlegte Bezahlmethode beglichen. Dazu gehören neben dem ÖPNV die Services von Car- und Bikesharing, in Zukunft sollen Taxis, Shuttles und E-Scooter dazukommen. Nach Auswahl der gewünschten Verbindung, bei der auch Verkehrsmittel gewechselt werden können, erfolgt die Buchung aller dafür benötigten Fahrtberechtigungen direkt aus der App. Bezahlt wird über die bei der Registrierung ausgewählten und hinterlegten Bezahlmedien (aktuell Bankeinzug und Kreditkarte).

Buchungs- und Bezahlplattform

Als führender Anbieter von Planungs-, Dispositions-, Telematik- und Ticketing-Lösungen für den ÖPNV konnte init eine weitreichende Expertise in das Projekt einbringen. Besonders wertvoll: Das bewährte Ticketing-Hintergrundsystem »MOBILEvario« zeichnet sich durch eine offene Systemarchitektur und Mandantenfähigkeit aus und ermöglicht es, zahlreiche Unternehmen, Vertriebskanäle und Ticketmedien einzubeziehen. init nutzte dafür offene Programmierschnittstellen (API), die eine nahtlose Integration der Daten und Systeme der Partner erlaubten und auch die Integration verschiedener Mobilitätsdienstleister ermöglichten.

Die APIs ermöglichen eine Tiefenintegration der verschiedenen Anbieter in die Plattform, die verschiedene Funktionen, wie die nahtlose Begleitung des Nutzers durch die Servicekette, überhaupt erst ermöglicht. Sie ist heute eine der größten Stärken von »regiomove«.

Nutzerfreundlichkeit im Fokus

Bei der Konzeption der Systemarchitektur legte init größten Wert auf Nutzerfreundlichkeit. Hierfür wurden zunächst Use-Case-Szenarien erstellt. Dazu gehörten Grundfunktionen wie Registrierung und Buchung von Mobilitätsdienstleistungen, zum anderen aber auch weitergehende Funktionen wie die Verknüpfung mit bestehenden Konten bei anderen Mobilitätsdienstleistern und die Integration von bestehenden Abonnements.

Eine weitere Anforderung bei der Entwicklung der Systemarchitektur stellte die Intermodalität dar. Bei intermodalen Buchungsketten müssen die einzelnen Reiseabschnitte aufeinander abgestimmt sein, was eine höhere Komplexität mit sich bringt als einfache Buchungen. So müssen zum Beispiel alle Mobilitätsdienstleistungen bei der Buchung reserviert werden können, bis feststeht, dass dem Nutzer wirklich alle Transportmittel einer Reisekette zur Verfügung stehen. Erst dann ist die endgültige Buchung sinnvoll. Beim Scooter- oder Bike-Sharing ist dies nicht immer uneingeschränkt möglich, hingegen ist es beim ÖPNV oft überflüssig. Dies wurde bei der Konzeption des Systems berücksichtigt.

Ein echter Mehrwert für die Nutzer der Plattform: In der App werden auch Baustellen und Staus angezeigt. Ermöglicht wurde dies durch die Integration der Daten des Karlsruher Tiefbauamtes. Ebenso wichtig für Nutzer von Carsharing-Diensten oder auch Nutzer der App, die das eigene Auto zumindest in die Routen-Auswahl integrieren möchten, ist gerade im Stadtgebiet die Anzeige des vorhandenen Parkraums. Daher wird auch über die Anzahl der Parkplätze, über Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge, über Gebühren und sogar Öffnungszeiten der Parkhäuser informiert. In der Routenplanung können sich die Nutzer  auch verschiedene Mobilitätsformen parallel anzeigen lassen, um zu sehen welche der Optionen am meisten CO2 einspart.

Weitere Entwicklung des Projektes

Um das Umland noch besser mit dem Stadtzentrum zu verbinden, werden im Lauf des Jahres 2021 in sieben Umlandgemeinden sogenannte Ports gebaut. Dies sind Umsteigestationen, an denen die »regiomove«-Nutzer komfortabel das Verkehrsmittel wechseln, aber auch zusätzliche Services nutzen können, wie etwa Reparaturmöglichkeiten für Fahrräder oder Schließfächer. Diese Ports wird es in Städten wie Baden-Baden, Rastatt und Karlsruhe genauso geben wie in kleinen Gemeinden. Ein einheitliches, modernes Design sorgt dafür, dass die Ports auf den ersten Blick erkennbar sind.

Der nächste Vernetzungsschritt ist die Verbindung mit weiteren Mobilitätsplattformen. Auf diese Weise sollen verbundübergreifende, d. h. interregionale Buchungen ermöglicht werden. Ein solches plattformvernetzendes Konzept ist bereits in der Planung. Weitere Mobilitätsdienstleister werden ebenfalls noch integriert: ein On-Demand-Angebot für Kleinbusse sowie ein Anbieter für Car-Sharing von E-Fahrzeugen.

Auch wenn die Ticketbuchungen über die App aufgrund der Pandemie derzeit noch nicht die Erwartungen erfüllen: Auszeichnungen wie »Wir machen Mobilitätswende!« des Landes Baden-Württemberg für den Projektleiter Dr. Frank Pagel oder die Auszeichnung für Karlsruhe als »Destination, die bewegt« für besonders nachhaltige Mobilität belegen, dass es sich bei »regiomove« um ein echtes Leuchtturmprojekt handelt.

Das regiomove-Projektteam, vierter von rechts: Dr. Gottfried Greschner, CEO von init (Bild: Init GmbH).

Das regiomove-Projektteam, vierter von rechts: Dr. Gottfried Greschner, CEO von init (Bild: Init GmbH).

Mit diesem umfassenden und nutzerfreundlichen Mobilitätskonzept setzt die Region Karlsruhe neue Standards. Dreh- und Angelpunkt dafür ist die neue Buchungs- und Bezahlplattform von init.

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