Modernes Notsprechsystem in Tram nachgerüstet

Artikel vom 19. Oktober 2022
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Die Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG) hat die Ruf Avatech AG damit beauftragt, 42 bestehende Straßenbahn-Fahrzeuge des Typs »MGTK« mit einem neuen, modernen Notsprechsystem auszurüsten. Die HAVAG ist ein Unternehmen der Stadtwerke Halle-Gruppe in Halle (Saale), der größten Stadt des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt.

Ruf rüstet Straßenbahnen in Halle (Saale) mit Notsprechsystemen aus (Bild: User Tramhendi – Wikimedia Commons)

Bei diesem Auftrag handelt es sich um ein Refit-Projekt, bei dem bestehendes Rollmaterial, in diesem Fall Trams mit den Baujahren 2005, bzw. 2014, mit modernster Technologie hochgerüstet werden. Die Ausrüstung mit Notsprechanlagen ist aufgrund einer gesetzlichen Verordnung vorgeschrieben. Im Paragraph 46 der Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BOStrab) heißt es dazu: »Personenfahrzeuge eines Zuges, die nicht mit Betriebsbediensteten besetzt sind, müssen ständig verfügbare Einrichtungen für eine Notfall-Sprechverbindung zwischen Fahrgästen und dem Fahrzeugführer haben.«

»VisiWeb«-Notsprechstelle in der Türsäulenverkleidung (Bilder: Ruf Avatech).

Die Fahrzeuge müssen bis Ende 2024 mit Notsprechsystemen ausgestattet sein, damit die gesetzliche Vorgabe umgesetzt wird und sie weiter verkehren dürfen. Um diese enge Zeitvorgabe erfüllen zu können, wählte die HAVAG eine im Markt fertig erhältliche Lösung, die sich einerseits schon mehrfach bewährt hat und die sich andererseits einfach durch Konfiguration an die speziellen, betreiberspezifischen Anforderungen anpassen lässt.

Betreiberspezifische Standardlösung

Die HAVAG entschied sich für das »VisiWeb«-Notsprechsystem von Ruf, bestehend aus den Sprechstellen im Fahrgastraum und den Einrichtungen im Führerstand. Jedes Fahrzeug besteht aus zwei Wagen, in die an jeder großen Türe eine »VisiWeb«-Notsprechstelle unmittelbar unter der Notbremse installiert ist. Die schmale Bauform der Sprechstelle ermöglicht einen Einbau selbst bei den oft beschränkten Platzverhältnissen in Trams und U-Bahnen.

Kontrollpanel im Führerstand.

Im Führerstand nutzt »VisiWeb« das bestehende Schwanenhals-Mikrofon, verfügt aber über einen eigenen Lautsprecher, der nie stummgeschaltet werden kann. Da die Fahrzeuge immer in Doppeltraktion fahren, zeigt das kundenspezifisch gefertigte Kontrollpanel dem Fahrpersonal an, ob der Notruf vom führenden oder geführten Fahrzeug kommt. Die gesamte Kommunikation erfolgt über das bordeigene Ethernet-Netzwerk.

Einfach zu bedienen – wichtig im Notfall

Die »VisiWeb«-Notsprechstellen verfügen über einen großen Taster mit formgefräster Aufschrift SOS, die auch von sehbehinderten Personen haptisch erfasst werden kann. Ein rot leuchtender Ring zeigt die Betriebsbereitschaft an. In einer Notfallsituation wird dieser Knopf von den Passagieren gedrückt, wodurch ein direkter Sprechkontakt mit dem Fahrpersonal aufgebaut wird.

Gesprächsstatus wird durch grün leuchtende Symbole klar signalisiert.

Das Auslösen des Notrufs wird an der Notsprechstelle sowohl visuell als auch akustisch quittiert und der Gesprächsstatus durch grün leuchtende Symbole signalisiert.

Probebetrieb gestartet

Nach erfolgreicher Inbetriebnahme und einem Funktionstest durch zwei Ruf System Engineers vor Ort, verkehren seit Montag, 10. Oktober 2022 zwei hochgerüstete »MGTK«-Fahrzeuge, um die neuartigen Sprechanlagen im Fahrgastbetrieb zu testen. Die Ausrüstung der restlichen Fahrzeuge erfolgt nach Abschluss des Probebetriebs im Laufe des Jahres 2023.

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