ÖBB testen »Digitale Automatische Kupplung« im Güterverkehr

Artikel vom 15. September 2026
Fahrzeugtechnik

Die ÖBB haben die »Digitale Automatische Kupplung« am Frachtenbahnhof Floridsdorf unter realen Betriebsbedingungen demonstriert. Der Vergleich mit der Schraubenkupplung zeigt, wie Automatisierung und Datenübertragung Abläufe im Schienengüterverkehr verändern können.

Präsentation Digitale Automatische Kupplung (Bild: ÖBB/Marek Knopp)

Bei einer Demonstration am Frachtenbahnhof Floridsdorf in Wien haben die ÖBB die »Digitale Automatische Kupplung« unter realen Betriebsbedingungen gezeigt. Im Mittelpunkt stand der direkte Vergleich mit der heute üblichen Schraubenkupplung. Die vorgestellte Kupplungstechnik soll das Kuppeln und Entkuppeln von Güterwagen automatisieren und zugleich Energie sowie Daten durchgängig entlang des gesamten Zuges übertragen. Damit wird sie zu einem Baustein für einen stärker digitalisierten Schienengüterverkehr in Europa.

Die Technologie verbindet Automatisierung, Digitalisierung und mögliche Produktivitätsgewinne in einem europäischen Vorhaben. Sie soll Arbeitsabläufe im Güterverkehr vereinfachen, Prozesse beschleunigen und die Sicherheit für Mitarbeiter:innen erhöhen, weil körperlich belastende manuelle Tätigkeiten reduziert werden. Zugleich schafft die durchgehende Energie- und Datenverbindung die Grundlage für weitere digitale Funktionen entlang der Transportkette.

Vom manuellen Kuppeln zum digitalen Güterzug

Neben dem automatischen Kuppeln und Entkuppeln ermöglicht das System digitale Anwendungen, die im Güterverkehr bisher nur eingeschränkt umsetzbar sind. Dazu zählen automatisierte Bremsproben, die automatische digitale Erfassung der Wagenreihung und künftige Funktionen zur Überwachung der Zugintegrität. Diese Anwendungen können dazu beitragen, betriebliche Abläufe transparenter und schneller zu machen.

Langfristig eröffnet die Kupplungstechnik zudem Perspektiven für längere und schwerere Güterzüge. Auch bestehende Infrastrukturkapazitäten könnten effizienter genutzt werden, wenn betriebliche Prozesse besser digital unterstützt und manuelle Arbeitsschritte reduziert werden. Damit ist die Technik nicht nur eine neue Verbindung zwischen Fahrzeugen, sondern eine Grundlage für den digitalen Güterzug.

Tests mit Demonstratorzug und Lokomotiven

Im Rahmen des europäischen Projekts »FP5 TRANS4M-R« ist derzeit ein speziell ausgerüsteter österreichischer Demonstratorzug im Einsatz. Mit ihm wird die Technologie im laufenden Betrieb getestet. Ziel ist es, Erkenntnisse zur technischen Zuverlässigkeit, zur Sicherheit, zur Instandhaltung und zur Integration in vorhandene Betriebsprozesse zu gewinnen.

Dabei kommen erstmals nicht nur ausgerüstete Güterwagen zum Einsatz, sondern auch entsprechend vorbereitete Lokomotiven. Die bisherigen Erprobungen, darunter Wintertests in Österreich, liefern Hinweise für die Weiterentwicklung des Systems und für einen späteren Einsatz im europäischen Schienengüterverkehr. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, wie sich die Technik unter realen Bedingungen verhält und welche Anforderungen sich für Betrieb und Wartung ergeben.

Nächster Schritt: kommerzieller Güterverkehr

Nach der Demonstrationsphase folgt mit den »Pioneer DAC Trains« der Einsatz im kommerziellen Güterverkehr. Das Vorhaben wird gemeinsam mit europäischen Partnern in einem durch die »Connecting Europe Facility« geförderten Projekt umgesetzt. Ziel ist es, die Zulassungsreife nachzuweisen und den wirtschaftlichen Nutzen unter Marktbedingungen zu prüfen.

Die Ergebnisse aus Demonstrationen und kommerziellem Einsatz sollen eine Grundlage für weitere Entscheidungen zur Einführung in Europa schaffen. Dafür sind mehrere Voraussetzungen relevant: technische Reife, betrieblicher Nutzen, harmonisierte europäische Standards, geeignete Zulassungsverfahren, tragfähige Finanzierungsmodelle und ein abgestimmter europäischer Migrationsplan. Das Projekt wird von der Europäischen Union finanziert und vom gemeinsamen Unternehmen »Europe’s Rail« sowie seinen Mitgliedern unterstützt.

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