Mehr Sicherheit im Bahnverkehr: Maßnahmen gegen Gewalt

Artikel vom 16. September 2026
Sicherheitssysteme

Die Deutsche Bahn erweitert ihre Sicherheitsmaßnahmen für Mitarbeitende und Fahrgäste. Dazu zählen Bodycams mit Tonaufzeichnung im Test, bessere Schutzausrüstung, mehr Präsenz in Zügen, digitale Videodaten für Behörden und ein Alkoholkonsumverbot an Bahnhöfen.

Bodycam im Einsatz bei der DB Sicherheit GmbH - wie hier bei einem Team im Berliner Hbf (Bild: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang)

Rund sieben Monate nach dem tödlichen Angriff auf den Bahnmitarbeiter Serkan Çalar erinnert der Konzern am 18. September anlässlich des »Tags des Respekts« an ihn. Familie, Freunde und Mitarbeitende nehmen im Beisein der Unternehmensspitze und des Bundesverkehrsministeriums an der Gedenkveranstaltung teil. In der Nähe seiner Arbeitsstätte am Mannheimer Hauptbahnhof wird eine Gedenktafel eingerichtet.

Die Deutsche Bahn hat ihre Maßnahmen zum Schutz von Mitarbeitenden und Fahrgästen in den vergangenen Monaten ausgebaut. Im Mittelpunkt stehen sicherheitsorientierte Personalkonzepte, Schulungen, Schutzausrüstung sowie digitale Anwendungen, die in Bahnhöfen und Zügen unterstützen sollen.

Bodycams, Schulungen und Schutzausrüstung

Mitarbeitende mit Kundenkontakt können eine Bodycam tragen. Bei DB Regio haben bereits mehr als 90 Prozent der Beschäftigten eine entsprechende Schulung erhalten. Im Fernverkehr und in den Personenbahnhöfen wurde die Bodycam im Sommer eingeführt. Ab dem 5. Oktober testet DB Regio Mitte zusätzlich Tonaufzeichnungen bei den Geräten. Ziel ist ein zeitnaher konzernweiter Rollout.

Für Mitarbeitende mit Kundenkontakt sind Deeskalationsschulungen verpflichtend. Ergänzend bietet der Regionalverkehr ein Modul zur »Selbstbehauptung im Zug« an, der Fernverkehr ein »Selbstschutztraining«. Damit sollen Beschäftigte besser auf kritische Situationen vorbereitet werden.

Auch die Ausrüstung wird angepasst. DB Sicherheit testet bis Ende 2026 Schutzhelme bei der Mobilen Unterstützungsgruppe, die bei besonderen Sicherheitslagen in Bahnhöfen und Zügen unterstützt. Seit Juli erproben Kundenbetreuer:innen im Regionalverkehr zudem stichhemmende Westen, die unter der Unternehmensbekleidung getragen werden.

Mehr Präsenz in Zügen

Gemeinsam mit Aufgabenträgern laufen Pilotprojekte zur stärkeren Besetzung ausgewählter Verbindungen. Bis Ende 2026 werden auf bestimmten Strecken Doppelbesetzungen von Kundenbetreuer:innen sowie Teams aus Kundenbetreuung und Sicherheitskraft getestet. Zusätzlich werden Prüfgruppen erprobt, bei denen sechs bis acht Kundenbetreuer:innen gemeinsam Vollkontrollen in Zügen durchführen.

Diese Maßnahmen sollen Beschäftigte im direkten Kundenkontakt entlasten und zugleich die Präsenz in den Fahrzeugen erhöhen. Besonders bei angespannten Situationen können größere Teams schneller reagieren und Unterstützung leisten.

Digitale Unterstützung und Regeln am Bahnhof

Bis zum 15. Oktober 2026 wird ein bundesweites Alkoholkonsumverbot schrittweise an 5.400 Bahnhöfen umgesetzt. Modellprojekte haben gezeigt, dass ein solches Verbot dazu beitragen kann, Gewaltkriminalität, Konflikte und Auseinandersetzungen unter Alkoholeinfluss zu verringern.

Mit der Video-Security-Cloud soll die Bundespolizei künftig bundesweit einheitlich digitalen Zugriff auf Live- und aufgezeichnete Videodaten aus ausgewählten Regionalzügen erhalten. Das soll Beweissicherung und Strafverfolgung unterstützen.

Ab dem 18. September können Mitarbeitende außerdem freiwillig die »GemeinsamSicher-App« nutzen. Darüber lassen sich Kolleg:innen in den Zügen des Regionalverkehrs unterstützen, bis Hilfe von Sicherheitskräften oder Polizei eintrifft. Der Rollout im Fernverkehr ist in Vorbereitung.

Weitere Bausteine sind die bundesweite Respektkampagne »#mehrachtung« von BMV, VDV und Bahn sowie die Unterstützung eines Gesetzentwurfs zur Stärkung des strafrechtlichen Schutzes von Mitarbeitenden im öffentlichen Personenverkehr.

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