100 Tage Bilger: Infraplan, Trassenpreise und ETCS im Fokus
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Nach 100 Tagen im Amt sieht die Allianz pro Schiene beim »Infraplan« Fortschritte, mahnt aber mehr Finanzierung, eine Trassenpreisreform und Tempo bei »ETCS« an. Auch Kapazitätsausbau, Regionalisierungsmittel und Korridorsanierung bleiben zentrale Aufgaben.

100 Tage Bundesverkehrsminister Bilger: Was noch zu tun bleibt. (Bild: BMV; Allianz pro Schiene / Patricia Haas)
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hat in seinen ersten 100 Amtstagen nach Einschätzung der Allianz pro Schiene mit dem »Infraplan« einen Einstieg in den Umbau der Schieneninfrastruktur erreicht. Das gemeinnützige Verkehrsbündnis sieht darin einen Schritt zu mehr Transparenz: Der Bund legt damit offen, welche Bauvorhaben in den kommenden fünf Jahren angegangen werden sollen und welche nicht. Der Plan soll jährlich rollierend fortgeschrieben werden. Damit daraus verlässliche Planung für Branche, Reisende und Unternehmen entsteht, fordert das Bündnis jedoch eine verbindliche Finanzierung über einen Eisenbahninfrastrukturfonds.
Finanzierung und Kapazität bleiben offen
Zwar wurden die Mittel für Aus- und Neubau der Schiene zuletzt erhöht. Aus Sicht des Bündnisses fehlt aber weiterhin ein Gesamtkonzept, das mehr Kapazität im Netz schafft und sich an der schrittweisen Umsetzung des »Deutschlandtakts« orientiert. Das angekündigte »Zielnetz 2035« gilt als Grundlage für die Fortschreibung des »Infraplans«, ist aber noch nicht veröffentlicht. Für mehr Verkehr auf der Schiene reichen zusätzliche Bauprojekte allein nicht aus. Auch die Rahmenbedingungen müssen passen. Genannt werden unter anderem die Entlastung des Lkw-Verkehrs durch den Tankrabatt beim Dieselpreis und die hohe Bahnstromsteuer im europäischen Vergleich. Zudem seien im Haushalt 2027 Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe beim Schienengüterverkehr vorgesehen, was aus Sicht des Bündnisses nicht zum Ziel eines wachsenden Schienenverkehrs passt.
Trassenpreise und Regionalisierungsmittel brauchen Klarheit
Als dringende offene Aufgabe nennt das Bündnis die Trassenpreisreform. Für Regionalverkehr, Fernverkehr und Gütertransport fehlt demnach Planungssicherheit, wie sich die Entgelte für die Nutzung der Infrastruktur entwickeln. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Preisbremse bei der Schienenmaut im Regionalverkehr habe den Reformdruck erhöht. Gefordert wird ein konkreter Vorschlag, der Nutzer der Schiene entlastet und zugleich längerfristig kalkulierbare Rahmenbedingungen schafft. Auch bei den im Koalitionsvertrag zugesagten höheren Regionalisierungsmitteln erwartet das Bündnis einen Vorschlag des Bundes gegenüber den Ländern. Für den Fernverkehr sieht es ebenfalls Handlungsbedarf: Mehr Anbieter auf stark nachgefragten Strecken und ein verlässliches Angebot auf weniger ausgelasteten Strecken müssten politisch und organisatorisch zusammengebracht werden.
Digitalisierung und Steuerung der Bahn
Bei der Digitalisierung erkennt das Bündnis Fortschritte, verweist aber auf den weiterhin langsamen Ausbau. Seit Sommer 2026 gibt es eine Förderrichtlinie für Fahrzeughalter, die Lokomotiven für den Einsatz auf »ETCS«-Strecken umrüsten. Zusammen mit der Koordinierungsstelle zur Digitalisierung sei das ein Fortschritt, auch wenn bislang nur ein kleiner Teil des Bundesschienennetzes mit dem europäischen Zugsicherungssystem ausgerüstet ist. Vom Ministerium wird erwartet, dass der Ausbau weiter beschleunigt wird. Als Eigentümer der Deutschen Bahn habe der Bund mit dem ersten »Infraplan« zudem einen Schritt zu einer besseren Steuerung der Infrastruktur gemacht. Offen bleiben aus Sicht des Bündnisses Steuerungskennzahlen, die mehr Kapazität und mehr Verkehr auf der Schiene anreizen. Bei der Überarbeitung der Korridorsanierungsstrategie soll außerdem ein Zieljahr festgelegt werden, bis wann alle 41 gesetzlich vorgesehenen Hochleistungskorridore saniert sind. Ohne solche Vorgaben könnten Vollsperrungen auf stark genutzten Strecken für Reisende und Unternehmen länger anhalten.


