DB und Alstom testen ferngesteuerten S-Bahn-Betrieb in Depotumgebung

Artikel vom 3. Juni 2026
Schienenfahrzeuge

Alstom und Deutsche Bahn haben in München erstmals den ferngesteuerten Rangierbetrieb einer S-Bahn in einer Depotumgebung getestet. Die Lösung soll Abläufe digitalisieren, beschleunigen und bestehende Fahrzeugflotten fit für die Zukunft machen.

Der Bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter testet den ferngesteuerten Rangierbetrieb (Foto: Deutsche Bahn AG / Thomas Kiewning).

Alstom hat in einem Projekt der Deutschen Bahn (DB) in München gezeigt, wie die Zukunft des ferngesteuerten Rangierbetriebs aussehen kann: Eine S-Bahn wurde von einem »Remote Operation Center« im Gebäude auf einem Werksgleis ferngesteuert. Das markiert den ersten kundenseitigen Testeinsatz des ferngesteuerten Zugbetriebs in einer Depotumgebung in Deutschland. Die Technologie bringt den Führerstand direkt zum Betreiber in die Leitzentrale und vereinfacht dadurch jede einzelne Bewegung im Depot. Die entwickelte Lösung ist mit einem Fern-Arbeitsplatz über eine generische Fahrzeugschnittstelle angebunden, die auf verschiedene Fahrzeugtypen übertragbar ist. Sie ermöglicht eine weitere Digitalisierung der Depotabläufe und nutzt für den Testbetrieb in München ein 5G Campusnetz der DB.

Per Fernsteuerung unterwegs – vorerst nur in Depotumgebung (Foto: Deutsche Bahn AG / Thomas Kiewning).

Die praktischen Vorzüge liegen auf der Hand: Mit einem ferngesteuerten Zugbetrieb können lange Laufwege für Rangierpersonal reduziert werden und die Rangierbewegungen dadurch effizienter erfolgen. Die Lösung kann technisch gesehen sowohl auf bestehenden Flotten als auch auf zukünftigen Neubaufahrzeugen eingesetzt werden. Für Betreiber ein großes Planungsplus, denn so lassen sich die heutigen Flotten digitalisieren und werden gleichzeitig auf die Anforderungen von morgen vorbereitet. Zur Anbindung des Zuges an das »Remote Operation Center« nutzt Alstom eine äußerst anpassungsfähige Architektur, die bestehende Zugsteuerungssysteme (TCMS) mit einer modernen, standardisierten Schnittstelle für den Fernbetrieb verbindet. Dieses Gateway passt das vorhandene TCMS an – gewissermaßen wie eine kleine Zeitkapsel für ältere Fahrzeuge – und stellt die erforderliche Steuerung und Statusinformationen harmonisiert für das »Remote Operation Center« bereit. Kameras und zusätzliche Sensoren am Zug ermöglichen im Münchner Testbetrieb die notwendige Situationsübersicht für die Fernbedienenden.

Der Ansatz ist auf zahlreiche Alstom-Baureihen übertragbar, darunter »BR423«, »BR430«, »BR442«, »BR490« und »BR1440«, die gemeinsam mehrere hundert Fahrzeuge in Deutschland umfassen. Die Demonstration stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur möglichen Entwicklung eines künftigen Prototyps dar und markiert einen Meilenstein für einen effizienten und digital unterstützten Betrieb in Depotumgebungen. Ferngesteuerter Betrieb hat das Potenzial, Depotabläufe schneller und effizienter zu machen, indem die digitale Steuerung direkt zum Bediener gebracht wird.

 

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