Bahnlogistik sichert Rohstoffe für voestalpine über Hafen Koper
Infrastruktur / Fahrwegtechnik
ÖBB Rail Cargo Group organisiert mit SŽ-Tovorni promet Rohstofftransporte vom Hafen Koper zu voestalpine-Werken in Österreich. Trotz Baustellen, Sperren und Kapazitätsengpässen sollen Eisenerz, Kohle und HBI für die Stahlproduktion planbar per Bahn ankommen.

V.l.n.r. Ernest Gortan, Vorstandsvorsitzender von SŽ–Tovorni promet; Christoph Grasl, Vorstand der ÖBB Rail Cargo Group; Hubert Zajicek, Vorstandsmitglied der voestalpine AG und Leiter der Steel Division (Bild: voestalpine AG)
Internationale Lieferketten müssen auch dann funktionieren, wenn Bauarbeiten, Streckensperren oder Kapazitätsengpässe den Schienengüterverkehr belasten. Das zeigt die Verbindung vom slowenischen Hafen Koper zu den Stahlstandorten Linz und Donawitz: 2025 wurden darüber 3,1 Millionen Tonnen Rohstoffe transportiert. Insgesamt bewegt die ÖBB Rail Cargo Group (RCG) jährlich rund 8,5 Millionen Tonnen Rohstoffe für voestalpine. Transportiert werden unter anderem Eisenerz, metallurgische Kohle und Eisenschwamm (HBI). Abgewickelt werden die Verkehre gemeinsam mit SŽ-Tovorni promet.
Für die Stahlproduktion ist eine kontinuierliche Materialversorgung entscheidend. Die Standorte Linz und Donawitz benötigen täglich rund 40.000 Tonnen Rohstoffe. Zusätzlich müssen fertige Produkte planbar zu weiteren Abnehmern gelangen. Die Bahn übernimmt dabei eine wichtige Rolle, weil große Mengen über lange Distanzen zuverlässig bewegt werden müssen. Mit dem Transformationsprogramm »greentec steel« sollen ab 2027 weitere Schritte zur Dekarbonisierung der Stahlproduktion folgen. Dadurch verändern sich auch Lieferketten und Anforderungen an Rohstofftransporte.
Baustellen erhöhen den Abstimmungsbedarf
Auf der Strecke von Koper nach Österreich laufen derzeit mehrere Bauarbeiten parallel. Einschränkungen betreffen unter anderem die Abschnitte Koper–Divača, Brezovica–Preseje, Borovnica–Verd sowie die Verbindung zwischen Ljubljana und Jesenice. Auch der Grenzbahnhof Jesenice wird modernisiert. Solche Investitionen sollen die Infrastruktur langfristig leistungsfähiger machen, erschweren kurzfristig aber die Planung grenzüberschreitender Lieferketten.
Besonders deutlich wird das in Jesenice: Während der Modernisierung bis September 2027 stehen dort weniger Gleise zur Verfügung. Züge müssen deshalb schneller abgewickelt werden. Die beteiligten Bahnen stimmen Kapazitäten, Fahrzeuge, Personal und alternative Laufwege eng ab, damit die Versorgung der Werke auch während Sperren und Bauphasen stabil bleibt.
Flexible Betriebsplanung hält Züge in Bewegung
Ein Baustein sind interoperable Lokomotiven, die grenzüberschreitend eingesetzt werden können. Dadurch sinkt die Aufenthaltsdauer der Züge im Grenzbahnhof Jesenice von rund zwei Stunden auf maximal 30 Minuten. Für längere Sperrphasen wurden zudem alternative Routen vorbereitet, zum Beispiel über den Grenzbahnhof Spielfeld-Straß.
Die Zusammenarbeit zeigt, wie stark industrielle Wertschöpfung von abgestimmter Bahnlogistik abhängt. Wenn Baustellen oder Kapazitätseinschränkungen in einem Land auftreten, wirken sich diese direkt auf Warenströme in anderen Ländern aus. Nationale Infrastrukturplanung trifft damit auf Lieferketten, die grenzüberschreitend organisiert sind und täglich belastbar funktionieren müssen.
Mehr Koordination für europäische Lieferketten
Aus Sicht der Beteiligten braucht der europäische Schienengüterverkehr deshalb stärker koordinierte Infrastrukturplanung, harmonisierte Standards, vereinfachte Grenzprozesse und mehr Digitalisierung. Das soll Unternehmen mehr Planungssicherheit geben, die Versorgungssicherheit stärken und die Leistungsfähigkeit der Schiene verbessern.
Das Beispiel Koper zeigt: Resiliente Rohstoffströme entstehen nicht nur durch einzelne Transportleistungen, sondern durch abgestimmte Prozesse vom Hafen bis zum Werk. Entscheidend sind ausreichende Kapazitäten, grenzüberschreitend einsetzbare Fahrzeuge, frühzeitige operative Abstimmung und alternative Laufwege, wenn Hauptstrecken nicht vollständig verfügbar sind.


