DB Regio testet Tonaufnahmen bei Bodycams für mehr Sicherheit
Infrastruktur / Fahrwegtechnik
DB Regio reagiert auf mehr Übergriffe im Zugbegleitdienst und testet ab Herbst 2026 Tonaufnahmen bei Bodycams. Der Pilot startet in der Region Rhein-Neckar-Pfalz und soll nach der Auswertung bundesweit schrittweise eingeführt werden.

Bodycam im Einsatz bei DB Regio. (Bild: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang)
Die Zahl der Übergriffe auf Mitarbeitende im Zugbegleitdienst ist im ersten Halbjahr 2026 gestiegen. DB Regio meldet insgesamt 989 Fälle. Dazu zählen 781 Fälle einfacher Körperverletzung wie Schubsen, Greifen oder Bespucken sowie 185 Fälle versuchter Körperverletzung. 22 Mitarbeitende wurden Opfer schwerer Körperverletzungen. Vor diesem Hintergrund bereitet das Unternehmen weitere Maßnahmen vor, um Beschäftigte in Kontrollsituationen besser zu schützen und kritische Situationen früher zu entschärfen.
Im Mittelpunkt steht ein Pilotprojekt zur Tonaufzeichnung bei Bodycams. Der Test soll spätestens am 1. Oktober 2026 in der Region Rhein-Neckar-Pfalz starten und zunächst zwei Monate dauern. Danach ist eine schrittweise bundesweite Umsetzung vorgesehen. Der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit ist über den Konzerndatenschutz und die Konzernsicherheit in den Einführungsprozess eingebunden und informiert.
Mehr Schutz in Kontrollsituationen
Die Tonaufzeichnung soll bei aktivierter Kamera eingesetzt werden. Sie ist als ergänzende Maßnahme gedacht, um deeskalierend zu wirken und die Nachvollziehbarkeit von Straftaten zu unterstützen. Parallel dazu wird die persönliche Schutzausrüstung erweitert: Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer sollen stichfeste Westen erhalten, für die Mobile Unterstützungsgruppe sind Helme vorgesehen.
Zusätzlich setzt der Regionalverkehr auf mehr Personalpräsenz. Dazu gehören Pilotprojekte mit 1:1-Begleitungen, bei denen Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer von einer weiteren Person mit Sicherheitskenntnissen begleitet werden. Auch Doppelbesetzungen im Kundenservice sowie Prüfgruppen sind Teil des Maßnahmenpakets. Bei diesen Gruppen kontrollieren sechs bis acht Mitarbeitende gleichzeitig einen Zug.
Vernetzte Sicherheitssysteme im Fokus
Neben der Tonaufzeichnung wird auch die Vernetzung von »Prio-Ruf« und Kamerasystem geprüft. Das Alarmsystem wird per Knopfdruck am Armband ausgelöst und soll mit der vorhandenen Sicherheitstechnik zusammenspielen. Darüber hinaus wird der Einsatz von Künstlicher Intelligenz betrachtet.
Begleitet werden die technischen und organisatorischen Maßnahmen von einer landesweiten Respekt-Kampagne, die gemeinsam mit der Bundesregierung gestartet wurde. Ziel ist es, Züge als sichere und respektvolle öffentliche Räume für Beschäftigte und Fahrgäste zu stärken.


