»BIBO Next«: Ticketing im ÖPNV ohne Check-in und Beacons

Artikel vom 16. September 2026
Fahrgeldmanagement

FAIRTIQ entwickelt mit RMV und IDZK das EU-geförderte Projekt »BIBO Next« weiter. Der Ansatz soll Be-In/Be-Out-Ticketing ohne Beacons in Fahrzeugen validieren und den Weg für einen breiteren Einsatz im europäischen ÖPNV vorbereiten.

(Bild: FAIRTIQ AG)

Das zweijährige Projekt läuft von September 2026 bis August 2028 und wird im Rahmen des EIT Urban Mobility Strategic Innovation Open Call 2026 gefördert. FAIRTIQ arbeitet dabei mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund und dem Integrierten Verkehr der Region Zlín zusammen. Ziel von »BIBO Next« ist es, Be-In/Be-Out-Ticketing für den kommerziellen Einsatz in Europa vorzubereiten. Im Fokus steht ein softwarebasierter Ansatz, der ohne Beacons in den Fahrzeugen auskommt.

Durch den geringeren Hardwarebedarf an Bord soll die Einführung für Verkehrsunternehmen und Verbünde einfacher und kosteneffizienter werden. Gleichzeitig wird untersucht, wie zuverlässig die Technologie in unterschiedlichen Verkehrssystemen, regulatorischen Rahmenbedingungen und Fahrgastgruppen funktioniert. Damit adressiert das Projekt nicht nur technische Fragen, sondern auch Themen wie Datenschutz, Barrierefreiheit, Akzeptanz und Integration in bestehende Vertriebs- und Tarifsysteme.

Ticketing soll in den Hintergrund rücken

Der Ansatz baut auf Mobile Pay-As-You-Go auf und geht darüber hinaus: Fahrgäste sollen während der Fahrt nicht mehr aktiv mit dem Smartphone interagieren müssen. Die Lösung erkennt Fahrten automatisch und berechnet den passenden Preis. Damit sollen Check-ins und Check-outs entfallen, ohne dass Fahrgäste vorab Tarifdetails kennen oder ein bestimmtes Ticket auswählen müssen.

Davon profitieren vor allem Vielfahrende, aber auch Gelegenheitsfahrende, Reisende, Familien, ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität. Für Verkehrsunternehmen und Verbünde kann die Technologie zudem helfen, Fahrten ohne gültige Fahrkarte sowie vergessene Check-ins zu reduzieren. Gleichzeitig lassen sich betriebliche Abläufe vereinfachen und digitale Vertriebskanäle stärker in den Alltag der Fahrgäste integrieren.

Praxistests in zwei europäischen Regionen

Validiert wird die Technologie in zwei Pilotregionen: im Rhein-Main-Gebiet mit dem RMV und in der Region Zlín mit IDZK. Beide Regionen unterscheiden sich in ihrer Struktur und ihren regulatorischen Rahmenbedingungen. Während der RMV einen großen Verbundraum mit städtisch und ländlich geprägten Gebieten abdeckt, bringt die Region Zlín ein stärker regional geprägtes Umfeld ein.

Die Projektpartner untersuchen in den Praxistests die technische Leistungsfähigkeit, die betriebliche Umsetzbarkeit und die Akzeptanz bei den Nutzenden. Dazu gehört auch die Frage, welche Erwartungen Fahrgäste an Datenschutz, Vertrauen und Barrierefreiheit haben. Die Ergebnisse sollen zeigen, wie sich Be-In/Be-Out-Ticketing ohne Fahrzeug-Beacons an unterschiedliche Anforderungen im europäischen ÖPNV anpassen lässt.

Vorbereitung auf den kommerziellen Einsatz

Die Arbeiten knüpfen an die laufende Weiterentwicklung der Be-In/Be-Out-Kerntechnologie in der Schweiz an. Dort wird sie im Rahmen eines Pilotvorhabens mit zehn ÖV-Partnern erprobt. Während diese Aktivitäten auf die technische Basis ausgerichtet sind, soll das neue Projekt die Lösung für den europäischen Markt vorbereiten. Dazu zählen technische Validierung, Nutzerforschung, eine verbesserte Partnerintegration über ein Software Development Kit sowie die Auswertung unterschiedlicher Rahmenbedingungen.

Die erste kommerzielle Implementierung wird noch während der Projektlaufzeit angestrebt. Das EIT-Urban-Mobility-Ökosystem soll die Partner dabei mit Städten und Verkehrsunternehmen in Europa vernetzen. Das Projekt zahlt damit auf eine nutzerorientierte und nachhaltige Mobilität ein, indem es Zugangshürden im öffentlichen Verkehr senkt und digitale Ticketing-Prozesse stärker automatisiert.

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