Autonomer Elektrobus startet Testbetrieb im Münchner Stadtverkehr

Artikel vom 2. Oktober 2026
Autonome Shuttles

MAN Truck & Bus und die MVG erproben in München einen automatisierten Elektrobus im öffentlichen Straßenverkehr. Der »MAN Lion's City 12 E« fährt auf der Linie 178 zunächst mit Sicherheitsfahrpersonal; ab November sollen ausgewählte Testnutzer mitfahren.

MAN Minga, Autonomer Bus auf Projektfahrt auf Buslinien in München Nord (Bild: MAN Truck & Bus SE)

Im Forschungsprojekt MINGA ist in München ein automatisierter Solobus im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs. MAN Truck & Bus, die Stadtwerke München (SWM) und die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) testen den 12 Meter langen »MAN Lion’s City 12 E« auf der Linie 178 zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl. Der Stadtbus wurde gemeinsam mit dem Technologiepartner ADASTEC automatisiert und ist seit Anfang September im Linienumfeld sichtbar.

Der Bus fährt weiterhin mit geschultem Sicherheitsfahrpersonal von Hersteller und Betreiber. Dieses kann die Fahrzeugführung bei Bedarf übernehmen und überwacht die Systeme während des gesamten Projekts. Zunächst werden auf der Strecke Daten gesammelt, um die Voraussetzungen für einen schrittweise automatisierten Betrieb zu schaffen. Die Linie 178 eignet sich dafür, weil sie unterschiedliche Verkehrssituationen abbildet: Hauptverkehrsachsen, Tempo-30-Zonen, Parkbereiche und Unterführungen gehören zum Testumfeld.

Digitale Karte und Sensorik für die Strecke

Für das automatisierte Fahren wird eine hochauflösende digitale Karte der Route erstellt. Der Elektrobus erfasst dafür seine Umgebung mit fünf Lidar-Sensoren, sechs Radaren, acht Kameras und satellitengestützter Positionsbestimmung. Auf dieser Basis werden Straßen- und Verkehrsinformationen wie Ampeln, Zebrastreifen, Fahrspurverläufe und weitere Merkmale in eine HD-Karte übertragen. Sie dient dem Fahrzeug später zur genauen Lokalisierung entlang der Strecke.

Im geplanten automatisierten Betrieb soll der Bus unter anderem selbst lenken, beschleunigen, bremsen und blinken. Das Sicherheitsfahrpersonal bleibt dennoch an Bord. Neben der technischen Abstimmung spielt auch das Fahrverhalten eine Rolle: Das Fahrzeug soll zurückhaltend fahren, damit die Erprobung im gemischten Stadtverkehr nachvollziehbar und vertrauensbildend erfolgt.

Testbetrieb mit geschlossener Nutzergruppe

Voraussichtlich ab November ist eine weitere Projektphase mit ausgewählten Testnutzerinnen und Testnutzern vorgesehen. Der Bus wird dann als zusätzliches Fahrzeug auf der bestehenden Linie eingesetzt und simuliert einen späteren Linienbetrieb unter möglichst realen Bedingungen. Mitfahren kann zunächst nur eine geschlossene Nutzergruppe. Interessierte können sich bereits unter mvg.de/minga-anmeldung registrieren. Über den konkreten Start informiert die MVG gesondert.

Vor dem Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr absolvierte der automatisierte Elektrobus ein Testprogramm auf dem Werksgelände. Dazu gehörten Prüfungen zur elektromagnetischen Verträglichkeit sowie die Validierung der Funktionen des automatisierten Fahrsystems in definierten Szenarien. Anschließend wurden technische Prüfungen und Genehmigungsverfahren durchlaufen. Das Kraftfahrt-Bundesamt erteilte die Betriebserlaubnis nach der Autonome-Fahrzeuge-Genehmigungs-und-Betriebs-Verordnung; die erforderlichen Voraussetzungen für den Testbetrieb im Münchner Straßenverkehr sind damit erfüllt.

MINGA untersucht automatisierte Mobilität im ÖPNV

MINGA steht für »Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons«. Das Forschungsvorhaben läuft seit 2023 mit 16 Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft. Die Konsortialführung liegt beim Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München. Ziel ist es, automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen in das bestehende Verkehrssystem einzubinden und Fragen zu Technik, Regulierung, Wirtschaftlichkeit, Barrierefreiheit und Betrieb zu klären.

Das Bundesministerium für Verkehr fördert das Projekt bis Mitte 2027 mit rund 13 Millionen Euro im Rahmen der Förderrichtlinie »Autonomes und vernetztes Fahren in öffentlichen Verkehren«. Die Erfahrungen aus dem Münchner Test sollen in die Weiterentwicklung künftiger Fahrzeuggenerationen einfließen. Weitere Informationen zum Projekt stehen unter mvg.de/minga und muenchenunterwegs.de/minga bereit.

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