Bahnhöfe als Drehkreuze für nutzerfreundliche Mobilität
Ausrüstung von Bahnhöfen und Haltestellen
Ein Forschungsteam unter Leitung des ISOE zeigt, wie Bahnhöfe den Wechsel zwischen Zug, Bus, Fahrrad und Sharing-Angeboten erleichtern können. Der Maßnahmenkatalog aus dem Projekt »Bahnhof der Zukunft« rückt Orientierung, Sicherheit, Aufenthaltsqualität und Anschlussmobilität in den Fokus.

Bahnhöfe der Zukunft: Drehkreuze für nutzerfreundliche Mobilität. (Bild: Gateways, Amsterdam)
Bahnhöfe können eine zentrale Rolle für die Mobilitätswende übernehmen, wenn sie den Umstieg zwischen Zug, Bus, Fahrrad und Sharing-Angeboten einfacher machen. Viele Stationen erfüllen diese Anforderungen bislang nur eingeschränkt. Ein Forschungsteam unter Leitung des Instituts für sozial-ökologische Forschung hat deshalb untersucht, welche Anforderungen Reisende an nutzerfreundliche Bahnhöfe stellen und wie sich Stationen zu multimodalen Mobilitätsplattformen entwickeln lassen.
Im Auftrag des Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung beim Eisenbahn-Bundesamt entstand ein Maßnahmenkatalog mit 32 Ansätzen. Sie betreffen unter anderem Architektur, Mobilitätsangebote und Management. Zehn Schlüsselmaßnahmen wurden priorisiert, weil sie Bahnhöfe besonders dabei unterstützen können, ihre Funktion als multimodale Drehkreuze zu erfüllen. Dazu zählen eine konsequent intermodale Gestaltung, ein durchgehendes Design, hochwertige Fahrradabstellanlagen und eine bessere Mobilitätsberatung.
Aufenthaltsqualität als Voraussetzung für den Umstieg
Die Untersuchung zeigt: Für eine klimafreundliche Mobilität reicht funktionierende Infrastruktur allein nicht aus. Reisende müssen sich gut orientieren können, sich sicher fühlen und den Aufenthalt am Bahnhof als angenehm erleben. Aufenthaltsqualität wird damit zu einem Faktor, der beeinflusst, ob Menschen multimodale Wege nutzen und den Wechsel zwischen Verkehrsmitteln akzeptieren.
Besonders wichtig ist eine verlässliche Anschlussmobilität. Angebote von Bahn, Straßenbahn, Bus, Fahrrad und Sharing-Diensten sollen möglichst nahtlos miteinander verknüpft sein. Für Bahnunternehmen, Kommunen, Verkehrsunternehmen und Mobilitätsanbieter bedeutet das, Bahnhöfe nicht nur als Verkehrsanlagen zu betrachten, sondern als Orte, die verschiedene Mobilitätsbedürfnisse zusammenführen.
Nutzeranforderungen entlang der Reise
Für die Studie wurden verschiedene empirische und analytische Verfahren kombiniert. Dazu gehörte eine bundesweite repräsentative Befragung aus dem Jahr 2023. Ein zentraler Schritt war zudem die Arbeit mit der User Journey: Die Forschenden betrachteten typische Abläufe auf einem multimodalen Weg über den Bahnhof hinweg – etwa Ankommen, Orientieren, Warten, Umsteigen und den Umgang mit Störungen.
Aus diesen Situationen wurden konkrete Anforderungen abgeleitet. In zwei immersiven Bahnhofsumgebungen konnten Teilnehmende mithilfe von Virtual Reality Maßnahmen realitätsnah erleben, Informationen aufnehmen und typische Nutzungssituationen durchlaufen. Dabei wurde deutlich, dass neben Infrastruktur und Service auch Atmosphäre, Barrierefreiheit und intuitive Nutzbarkeit eine große Rolle spielen.
Gestaltung, Machbarkeit und Rahmenbedingungen
Offene, helle und übersichtliche Räume können das Bild von Bahnhöfen verbessern. Begrünung, Sauberkeit, hochwertige Materialien und verlässliche Informationen fördern das Wohlbefinden, stärken das Sicherheitsgefühl und erleichtern die Orientierung. Gleichzeitig erhöhen sie die Bereitschaft, sich auf multimodales Reisen einzulassen.
Das Projekt »Bahnhof der Zukunft« prüfte auch, wie sich die entwickelten Maßnahmen unter realen Bedingungen umsetzen lassen. Berücksichtigt wurden technische und planerische Aspekte beim Bau oder Umbau ebenso wie wirtschaftliche, politische und rechtliche Rahmenbedingungen. Ziel sind keine losgelösten Wunschlisten, sondern Lösungen, die integrierbar sind und gemeinsam geplant werden können.
Damit Bahnhöfe zu Drehkreuzen der Mobilitätswende werden, braucht es mehr als bauliche Anpassungen. Entscheidend ist, Stationen konsequent von den Bedürfnissen der Reisenden her zu denken. Der Wandel vom reinen Durchgangsort hin zum attraktiven Mobilitätsort ist damit Teil der Transformation zu einer klimafreundlicheren Mobilität.


